Wie es oft so geht. Man ist in Gedanken woanders, achtet nicht auf den Weg, und schon passiert es: Man stolpert über eine Unebenheit, einen Pflasterstein, der hervorsteht, oder eine Wurzel, die sich über den Weg geschoben hat. Im letzten Moment kann man sich auffangen…

Stolpern trifft einen völlig unerwartet. Das letzte Mal als ich gestolpert bin, endete das mit einem Bruch der Mittelhandknochen. Seither gebe ich Acht beim Gehen und konzentriere mich auf das, was vor meinen Füssen liegt. Stolpern ist mit einem Schreckmoment verbunden. Der ist heilsam und wichtig. In Zukunft werde ich die Augen offen halten, mich besser festhalten, mein Gleichgewicht trainieren, mich weniger ablenken lassen. Stolpern löst etwas aus. Ich werde mir einer Schwäche bewusst. Ich beurteile eine Situation neu. Ich mache mir über Alternativen Gedanken. Stolpern setzt etwas in Gang, macht aufmerksam auf Dinge, die ich ausgeblendet habe, hält Einsichten bereit und eröffnet einen neuen Blick.

In unserer neuen Kolumne «Worüber ich gestolpert bin» schreiben Autor:innen über persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse in sogenannten Stolper-Situationen. Im Februar lesen Sie den Beitrag unseres Kirchenkreis-Präsidenten Andreas Stoll. Wir sind gespannt.

Für das Redaktionsteam Pfarrerin Hanna Kandal

 

EIN SANDWICH-KIND


Ich bin als mittleres von drei Geschwistern – als Sandwich-Kind – in einer tollen Familie aufgewachsen. Das ist schon eine ganze Weile her. Aber warum erteilt mir mein älterer Bruder immer noch fleissig Ratschläge? Warum ist mir die Familienbande oft zu eng? Warum ist meine jüngere Schwester so flippig? Bei der Suche nach Antworten bin ich über das Buch von Kevin Leman «Geschwisterkonstellationen» gestolpert. Einen sperrigen Titel hat es, aber es ist wunderbar zu lesen. Als Sandwich-Kind stand ich nicht im Mittelpunkt. Die Aufmerksamkeit galt dem Ältesten. Bei mir war vieles schon selbstverständlich oder vom Erstgeborenen vorgespurt. Das Nesthäkchen, die kleine Schwester, wurde von uns allen umsorgt. Obwohl meine Eltern für uns alle da waren, prägen uns diese Positionen in der Familie bis heute. Als Sandwich-Kind lernte ich früh, selbständig zu sein und in Konfliktsituationen zwischen den Geschwistern zu vermitteln. Ich fand meinen Weg in der Abgrenzung zu meinen Geschwistern. So absolvierte ich als einziger eine Berufslehre und zog nach dem Studium nach Zürich. Frei sein, stets diplomatisch agieren, es selbst tun und nur im Notfall Hilfe annehmen bleiben meine Themen. Ich bin glücklich – als Sandwich-Kind. Sind Sie in Ihrer Geschwisterkonstellation auch zufrieden?

Buch-Tipp: Leman, Kevin: Geschwisterkonstellationen, Wie die Familie ihr Leben bestimmt, mvg Verlag, 2020.

Aktuell

Wie es oft so geht. Man ist in Gedanken woanders, achtet nicht auf den Weg, und schon passiert es: Man stolpert über eine Unebenheit, einen Pflasterstein, der hervorsteht, oder eine Wurzel, die sich über den Weg geschoben hat. Im letzten Moment kann man sich auffangen…

Stolpern trifft einen völlig unerwartet. Das letzte Mal als ich gestolpert bin, endete das mit einem Bruch der Mittelhandknochen. Seither gebe ich Acht beim Gehen und konzentriere mich auf das, was vor meinen Füssen liegt. Stolpern ist mit einem Schreckmoment verbunden. Der ist heilsam und wichtig. In Zukunft werde ich die Augen offen halten, mich besser festhalten, mein Gleichgewicht trainieren, mich weniger ablenken lassen. Stolpern löst etwas aus. Ich werde mir einer Schwäche bewusst. Ich beurteile eine Situation neu. Ich mache mir über Alternativen Gedanken. Stolpern setzt etwas in Gang, macht aufmerksam auf Dinge, die ich ausgeblendet habe, hält Einsichten bereit und eröffnet einen neuen Blick.

In unserer neuen Kolumne «Worüber ich gestolpert bin» schreiben Autor:innen über persönliche Erlebnisse und Erkenntnisse in sogenannten Stolper-Situationen. Im Februar lesen Sie den Beitrag unseres Kirchenkreis-Präsidenten Andreas Stoll. Wir sind gespannt.

Für das Redaktionsteam Pfarrerin Hanna Kandal